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Frage:

Was versteht man unter "haushaltsnahen Beschäftigungsverhältnissen" bzw. "haushaltsnahen Dienstleistungen“ und unter  "Handwerkerleistungen" und wie sind sie steuerlich zu berücksichtigen? [13050]

Antwort:

Die Antwort ist unterteilt, bitte wählen Sie aus.

Allgemeine Informationen
Zuständige Stelle
Voraussetzung
Verfahrensablauf
Erforderliche Unterlagen
Frist/Dauer
Kosten/Leistung
Sonstiges
Rechtsgrundlage

Der Fiskus fördert seit dem Veranlagungszeitraum (VZ) 2003 haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse und die Inanspruchnahme haushaltsnaher Dienstleistungen durch Steuerermäßigungen. Ab dem VZ 2006 wurde die steuerliche Förderung von Dienstleistungen in Privathaushalten um Pflege- und Betreuungsleistungen sowie Handwerkerleistungen für Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen erweitert.

Zu unterscheiden ist zwischen:

  • Geringfügigen Beschäftigungen bzw. sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen im  Haushalt
  • Haushaltsnahen Dienstleistungen und Pflege- und Betreuungsleistungen
  • Inanspruchnahme von Handwerkerleistungen

Haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse
Der die haushaltsnahen Tätigkeiten in Anspruch nehmende Steuerpflichtige rückt bei der Einstellung eines geringfügig Beschäftigten sowie bei der Einstellung eines sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in die Stellung eines Arbeitgebers mit all den damit verbundenen Verpflichtungen. Bei der Tätigkeit muss ein enger Bezug zum Haushalt bestehen. Zu den Tätigkeiten gehören z.B.:

  • Zubereitung von Mahlzeiten im Haushalt und
  • die Reinigung der Wohnung.

Je nach dem, welche Art der haushaltsnahen Tätigkeit in Anspruch genommen wird, unterscheidet sich die steuerliche Förderung.

Bei geringfügigen Beschäftigungen werden 20 % der Aufwendungen, maximal 510 € pro Jahr mittels eines separaten Höchstbetrages gefördert. Bei sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen fließen die Aufwendungen in den für sämtliche haushaltsnahen Dienstleistungen geltenden einheitlichen Höchstbetrag ein. Dieser beträgt 20 % der Aufwendungen, maximal 4.000 € pro Jahr.

Haushaltsnahe Dienstleistungen
Zu den haushaltsnahen Dienstleistungen zählen Tätigkeiten, die nicht zu den handwerklichen Leistungen gehören, gewöhnlich durch Mitglieder des privaten Haushalts erledigt werden und für die fremde Dritte beschäftigt werden oder eine Dienstleistungsagentur oder ein selbständiger Dienstleister in Anspruch genommen wird. Darunter fallen folgende Tätigkeiten:

  • Reinigung der Wohnung (z.B. durch Angestellte einer Dienstleistungsagentur oder einen selbständigen Fensterputzer)
  • Gartenpflegearbeiten (z.B. Rasenmähen, Heckenschneiden)
  • Zubereitung von Mahlzeiten im Haushalt und
  • Dienstleistungen für privat veranlasste Umzüge.

Nicht zu den haushaltsnahen Dienstleistungen zählen:

  • Personenbezogene Dienstleistungen wie z.B. Hausfrisör, Podologe
  • Leistungen von Abrechnungsfirmen für Heizungsenergie bzw. Wasserverbrauch
  • Kosten für die Hausverwaltung sowie Müllgebühren
  • Wach- und Schließdienst (Objektkontrolle; Bereithalten einer Alarmvorrichtung
  • Entrümpelung einer Wohnung  im Zuge einer Haushaltsauflösung 

Die Steuerermäßigung für haushaltsnahe Dienstleistungen beträgt 20 % der begünstigten Aufwendungen, maximal 4.000 € pro Jahr (einheitlicher Höchstbetrag).

Beispiel: A beauftragte im März 2017 einen Betrieb für Garten- und Landschaftspflege mit dem Schneiden mehrerer Hecken und Sträucher. Die auf der Rechnung ausgewiesenen Arbeitskosten betrugen 850 €. Die Bezahlung erfolgte am 29.03.2017 per Überweisung.

Die Kosten für die Gartenpflege sind im Umfang der Arbeitskosten von 850 € begünstigt. Die Steuerermäßigung beträgt 20 % von 850 € = 170 €.

Pflege- und Betreuungskosten
Die Steuerermäßigung für haushaltsnahe Dienstleistungen umfasst auch Aufwendungen, die für die Inanspruchnahme von Pflege- und Betreuungsleistungen für pflegebedürftige Personen anfallen. Leistungen der Pflegeversicherung sind anzurechnen.   Die steuerliche Berücksichtigung dieser Aufwendungen erfolgt ebenfalls mit 20 % der Aufwendungen bis zum einheitlichen Höchstbetrag i.H. von 4.000 €. Auch Pflege- und Betreuungsleistungen aufgrund der Unterbringung in einem Altenwohn- oder Pflegeheim sind begünstigt. Auf einen eigenen Haushalt im Wohn- oder Pflegeheim kommt es hierbei nicht an.

Beispiel: V lebt mit seiner Ehefrau E. im eigenen Haushalt. Sie haben einen mobilen Pflegedienst beauftragt, der V bei der Körperhygiene und Ernährung unterstützt.. Für die regelmäßig wiederkehrenden Pflegeleistungen bezahlt V monatlich eine Abschlagszahlungen von 325 €.  Die ordnungsgemäße Jahresrechnung sowie die Überweisungsbelege der Bank fügt B seiner Steuererklärung bei. V erhält von der gesetzlichen Pflegeversicherung einen Aufwandsersatz für häusliche Pflege in Höhe von 205 € . 

Die Aufwendungen für die häusliche Pflege des V von 3.900 € im Jahr sind begünstigt. Anzurechnen sind aber die Leistungen der Pflegeversicherung i.H.von 2.460 €. Die Steuerermäßigung beträgt
20 % von 1.440 € = 288 €. 

Handwerkerleistungen
Ab dem VZ 2006 wurde die Abzugsmöglichkeit von beanspruchten Handwerkerleistungen in Privathaushalten erweitert. 

Die Aufwendungen für Handwerkerleistungen sind - neben dem Abzugsbetrag für haushaltsnahe Dienstleistungen - in Höhe von 20%, maximal 1.200 € pro Jahr, berücksichtigungsfähig.

Zu den begünstigten, handwerklichen Tätigkeiten zählen insbesondere:

  • Arbeiten an Innen- und Außenwänden,
  • Arbeiten am Dach, an der Fassade, an Garagen o.ä.,
  • Reparatur oder Austausch von Fenstern und Türen,
  • Streichen/Lackieren von Türen, Fenstern (innen und außen), Wandschränken, Heizkörpern und -rohren,
  • Reparatur oder Austausch von Bodenbelägen (z.B. Teppichboden, Parkett, Fliesen),
  • Reparatur, Wartung oder Austausch von Heizungsanlagen, Elektro-, Gas- und Wasserinstallationen,
  • Modernisierung oder Austausch der Einbauküche,
  • Modernisierung des Badezimmers,
  • Reparatur und Wartung von Gegenständen im Haushalt des Steuerpflichtigen (z.B. Waschmaschine, Geschirrspüler, Herd, Fernseher, PC),
  • Maßnahmen der Gartengestaltung,
  • Pflasterarbeiten auf dem Wohngrundstück sowie
  • Kontrollaufwendungen (z.B. Schornsteinfeger, Kontrolle von Blitzschutzanlagen).

Es ist nicht darauf abzustellen, ob es sich bei den Aufwendungen für die einzelne Maßnahme um Erhaltungs- oder Herstellungsaufwand handelt.

 

Handwerkliche Tätigkeiten im Rahmen einer Neubaumaßnahme sind jedoch nicht begünstigt. Als Neubaumaßnahmen gelten alle Maßnahmen, die im Zusammenhang mit der Errichtung eines Haushalts bis zu dessen erstmaliger Bezugsfertigkeit durchgeführt werden, z.B. beim Bau eines Einfamilienhauses.

Hingegen stellt z.B. der nachträgliche Ausbau des Dachgeschosses oder der nachträgliche Bau eines Wintergartens in einem selbstbewohnten Einfamilienhaus keine Neubaumaßnahme, sondern eine begünstigte Maßnahme dar.

 

Was zählt nicht zu den Handwerkerleistungen?

  • Starthilfe bzw. Reparatur eines Pkw,
  • Erstellung eines Energieausweises,
  • Architektenleistung für größere Modernisierungsaufwendungen.

Beispiel

 

A beauftragte im März 2017 einen Installateur mit dem Austausch der defekten Heizungsanlage und bezahlt die Rechnung i.H.von 5.800 € im April per Überweisung. Der Installateur repariert zeitgleich den defekten Kühlschrank im Haushalt des A. A bezahlt die Rechnung von 200 € sofort in bar und erhält hierfür eine Quittung.

Der Austausch der Heizungsanlage ist begünstigt. Die Reparatur des Kühlschranks jedoch nicht, da die Rechnung bar bezahlt wurde. Die Steuerermäßigung beträgt somit 20 % von 5.800 € = 1.160 €. Der Höchstbetrag i.H.von 1.200 € ist nicht überschritten. 

Zuständige Stelle

 

Die steuerliche Förderung von Dienstleistungen in Privathaushalten erfolgt bei dem Finanzamt, das für Ihre jährliche Veranlagung zur Einkommensteuer zuständig ist.

 

 

Wer ist anspruchsberechtigt ?
Der Steuerpflichtige muss bei haushaltsnahen Beschäftigungen Arbeitgeber und bei haushaltsnahen Dienstleistungen Auftraggeber der Dienstleistungen sein. Hierzu können auch die Mieter einer Wohnung, eine Wohnungseigentumsgemeinschaft bzw. Heimbewohner, die im Heim einen eigenständigen abgeschlossenen Haushalt führen, zählen.  Bei Pflege- und Betreuungsleistungen steht die Steuerermäßigung entweder der pflegebedürftigen Person oder deren Angehörigen zu, wenn diese für die Pflege- oder Betreuungsleistungen aufkommen.

 

Welche Aufwendungen sind begünstigt?
Begünstigt sind nur die reinen Arbeits- bzw. Lohnkosten einschließlich der in Rechnung gestellten Maschinengestellungs- und Fahrtkosten. Materialkosten bzw. gelieferte Waren bleiben außer Ansatz. Der Anteil der Arbeitskosten muss in der Rechnung gesondert ausgewiesen sein.

 

Wo müssen die Dienstleistungen erbracht werden?
Die Inanspruchnahme der Steuerermäßigung setzt voraus, dass die Leistungen in einem inländischen Haushalt des Steuerpflichtigen erbracht werden. Ferner sind Haushalte begünstigt, die in der Europäischen Union oder dem Europäischen Wirtschaftsraum belegen sind.

 

Kann die steuerliche Förderung bei Ehegatten doppelt beansprucht werden?
Haushaltsnahe Dienstleistungen können nur „haushaltsbezogen“ in Anspruch genommen werden, d.h. entsprechende Aufwendungen können nur einmal für den jeweiligen Haushalt geltend gemacht werden.

 

Ehegatten/Lebenspartnern steht die Steuerermäßigung jeweils zur Hälfte zu, wenn sie nicht gemeinsam eine andere Aufteilung beantragen. Bei einer Zusammenveranlagung spielt die Aufteilung keine Rolle. Zwei Alleinstehende, die zusammen in einem Haushalt leben, können die Höchstbeträge der Steuerermäßigung insgesamt nur einmal in Anspruch nehmen. Hier erfolgt die Aufteilung der Höchstbeträge danach, wer die jeweiligen Aufwendungen getragen hat oder aufgrund gemeinsamer Vereinbarung zugewiesen bekommt.

Mit der Einkommensteuererklärung (Mantelbogen Seite 3) können Sie unter „Haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse und Dienstleistungen“ Aufwendungen für haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse bzw. für die Inanspruchnahme haushaltsnaher Dienstleistungen bis zu bestimmten Höchstbeträge geltend machen. Im Einkommensteuerbescheid werden die jeweiligen Ermäßigungsbeträge direkt von der tariflichen Einkommensteuerschuld abgezogen.

Tipp: Die Einkommensteuererklärungsvordrucke finden Sie im Internet zum Ausfüllen und Herunterladen, sofern Sie nicht zu einer elektronischen Erklärungsabgabe verpflichtet sind.


Erforderliche Unterlagen

Neben der Einkommensteuererklärung sind   auf Anforderung der Finanzbehörde folgende Unterlagen vorzulegen:

  • Bei haushaltsnahen Beschäftigungsverhältnissen z.B.  bei sogenannten Mini-Jobs im Rahmen des Haushaltscheckverfahrens:
    Bescheinigung der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See.
  • Bei haushaltsnahen Dienstleistungen und Handwerkerleistungen:
    Die Kosten müssen durch eine Rechnung belegt werden können. Ferner muss die Zahlung auf ein Konto des Leistungserbringers (durch Überweisung oder Verrechnungsscheck) erfolgt sein. Barzahlungen und Barschecks können nicht anerkannt werden.
  • Bei Pflege- und Betreuungsleistungen
    Für die erhaltenen Leistungen muss eine Rechnung vorliegen und die Zahlungen müssen auf ein Konto des Leistungserbringers (durch Überweisung oder Verrechnungsscheck) erfolgt sein. Barzahlungen und Barschecks können nicht anerkannt werden.

Abgabefristen für die Einkommensteuererklärung
Wenn Sie zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtet sind, müssen Sie Ihre Einkommensteuererklärung bis zum 31. Mai des Folgejahres abgeben. Wird Ihre Einkommensteuererklärung durch einen Angehörigen der steuerberatenden Berufe angefertigt, gilt eine allgemein verlängerte Frist bis zum 31. Dezember des Folgejahres.

Kosten/Leistung

Es entstehen keine Gebühren oder sonstige Kosten.

Auskünfte zum Thema „Haushaltsnahe Dienstleistungen „ erteilt auch das Finanzamt, in dessen Bezirk Sie wohnen.

Rechtsgrundlage für die Einkommensbesteuerung natürlicher Personen ist das Einkommensteuergesetz (EStG), insbesondere der § 35a EStG.
Sie können das Einkommensteuergesetz hier aufrufen. Bitte beachten Sie dazu die vom Bundesministerium der Justiz zur Nutzung dieses kostenlosen Dienstes veröffentlichten Erläuterungen.

Weitere ausführliche Hinweise erhalten Sie auch auf den Internetseiten des Finanzministeriums unter „Der aktuelle Tipp – Haushaltnahe Beschäftigungsverhältnisse“.




 

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