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Frage:

Welche steuerlichen Erleichterungen gibt es bei "Kalamitätsnutzungen" und wie kann ich sie geltend machen? [13008]

Antwort:

1. Voraussetzungen für steuerliche Erleichterungen bei Holznutzungen infolge höherer Gewalt (Kalamitätsnutzungen)

Holznutzungen infolge höherer Gewalt (Kalamitätsnutzungen) sind Nutzungen, die durch Eis-, Schnee-, Windbruch oder Käferfraß oder ein anderes Naturereignis, das in seinen Folgen den angeführten Ereignissen gleichkommt, verursacht werden (§ 34b Abs. 1 Nr. 2 EStG). Zu den Kalamitätsnutzungen zählen nicht Schäden, die in der Forstwirtschaft regelmäßig entstehen, wie einzelne dürre Bäume, Schäden durch Blitzschlag, einzelne Windwürfe oder Käferbäume, soweit sie sich im Rahmen der regelmäßigen Abgänge halten (R 34b.2 Abs. 4 EStR).

Die ermäßigten Steuersätze des § 34b EStG sind auf Einkünfte aus Kalamitätsnutzungen unter folgenden Voraussetzungen anwendbar:

Voraussetzung für die Hälfte des durchschnittlichen Steuersatzes:

1. Die Schäden infolge höherer Gewalt müssen unverzüglich nach Feststellung des Schadensfalles der zuständigen Finanzbehörde (in Baden-Württemberg der Oberfinanzdirektion Karlsruhe) mitgeteilt und nach der Aufarbeitung mengenmäßig nachgewiesen werden (§ 34b Abs. 4 Nr. 2 EStG).

2. Das veräußerte oder entnommene Holz muss getrennt nach ordentlichen und außerordentlichen Holznutzungen im Wirtschaftsjahr nachgewiesen werden (§ 34b Abs. 4 Nr. 1 EStG).

Zusätzliche Voraussetzung für ein Viertel des durchschnittlichen Steuersatzes:

3. Ein Nutzungssatz muss in einem Betriebswerk bzw. Betriebsgutachten berechnet und durch die Finanzbehörde festgesetzt sein (§ 68 EStDV). Aus Vereinfachungsgründen gilt bei Betrieben mit bis einschließlich 50 Hektar forstwirtschaftlich genutzter Fläche ein pauschaler Nutzungssatz von 5 Erntefestmeter je ha, wenn nicht bereits aus anderen Gründen ein amtlich anerkanntes Betriebsgutachten oder Betriebswerk vorliegt. (R 34b.6 Abs. 3 EStR).

4. Die außerordentlichen Holznutzungen ohne Berücksichtigung der Normalnutzung müssen den Nutzungssatz übersteigen (§ 34b Abs. 3 Nr. 2 EStG), wobei der ein Viertel-Steuersatz nur für den übersteigenden Teil gilt.

2. Wie kann ich Kalamitätsnutzungen steuerlich geltend machen ?

I. Kalamitätsnutzungen (außer Rotfäule)

a) Anmeldung des Schadens mit Formular "ESt 34b-Mitteilung (Voranmeldung)"

Kalamitätsnutzungen sind unverzüglich nach Feststellung des Schadens bei der Oberfinanzdirektion Karlsruhe anzumelden. Für die Anmeldung ist der Vordruck ESt 34b-Mitteilung zu verwenden.

Der geschätzte Schadensanfall ist jeweils für den einzelnen Waldort anzugeben. Die Anmeldung des Schadens muss so rechtzeitig vor Aufarbeitung des Schadholzes erfolgen, dass eine eventuelle Überprüfung des Schadens durch den Forstsachverständigen der Steuerverwaltung erfolgen kann. In dringenden Fällen (z.B. Borkenkäferbefall) ist auch eine telefonische Anmeldung möglich. Vor der Anmeldung bereits aufgearbeitetes Schadholz kann nicht als Kalamitätsnutzung anerkannt werden. Falls sich bei der Aufarbeitung des Schadens herausstellt, dass die angegebenen geschätzten Schadensmengen erheblich überschritten werden, ist die Anmeldung unverzüglich im Wege einer Nachmeldung zu berichtigen.

b) Nachweis des Schadens mit Formular "ESt 34b-Nachweis (Abschlussmeldung)"

Kalamitätsnutzungen sind unmittelbar nach Kenntnis der tatsächlichen Schadensmenge bei der Oberfinanzdirektion Karlsruhe mit dem Vordruck „ESt 34b-Nachweis (Abschlussmeldung)“ nachzuweisen.

II. Kalamitätsfolgehiebe

Die nach Kalamitäten stehen gebliebenen Bestandsreste, die aus forstwirtschaftlichen Gründen eingeschlagen werden müssen (sog. Kalamitätsfolgehiebe), werden nur dann als Holznutzungen infolge höherer Gewalt berücksichtigt, wenn sie nicht in die planmäßigen Nutzungen der nächsten Jahre einbezogen werden können, insbesondere aber, wenn nicht hiebsreife Bestände eingeschlagen werden müssen (Urteil des Bundesfinanzhofs vom 11.04.1961 Bundessteuerblatt 1961 III Seite 276 ff). Ob der Einschlag forstwirtschaftlich notwendig ist, kann jeweils nur am stehenden Bestand beurteilt werden. Daher muss der beabsichtigte Einschlag wie eine Kalamitätsnutzung mit einer Anmeldung angezeigt werden und der gemeldete Bestandsrest nach Abgabe der Anmeldung vier Wochen lang überprüfbar sein. Bestandsreste, deren Besichtigung infolge verspäteter Meldung nicht mehr möglich ist, können als Holznutzung infolge höherer Gewalt nicht anerkannt werden. Der Nachweis von Kalamitätsfolgehieben muss wie bei einer Kalamitätsnutzung unmittelbar nach Kenntnis der tatsächlichen Schadensmenge erfolgen.

III. Rotfäuleschäden

Die Anerkennung von Rotfäuleschäden als Kalamität ist im Erlass des Finanzministeriums Baden-Württemberg vom 15.06.1967 S 2291 – 1/67 geregelt. Danach wird wie folgt verfahren:

1.   Der Rotfäuleanteil wird über die betroffene Stammzahl der eingeschlagenen Fichten ermittelt.

2.   Ein Rotfäuleanteil bis 30% der Stammzahl wird als regelmäßig und daher nicht als Kalamität angesehen.

3.   Als Kalamität kann nur die Holzmenge anerkannt werden, die dem Rotfäuleanteil über 30% entspricht.

4.   Liegt der Rotfäuleanteil beim Kahlschlag nicht hiebsreifer Bestände über zwei Drittel, kann abweichend von Ziffer 2 die gesamte eingeschlagene Holzmenge als Kalamität anerkannt werden. Nicht hiebsreif sind Bestände, die 20 oder mehr Jahre unter dem betriebsplanmäßigen Abtriebsalter liegen.

Der Nachweis muss unmittelbar nach Kenntnis der tatsächlichen Schadensmenge erfolgen.

 

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