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Frage:

Was ist ein "Freibetrag" und wie kann man ihn erhalten? [31003]

Antwort:

Die Antwort zum "Freibetrag" ist nach folgenden Themen gegliedert (bitte wählen Sie aus):

Allgemeine Informationen
Zuständige Stelle
Voraussetzung
Verfahrensablauf
Erforderliche Unterlagen
Frist/Dauer
Kosten/Leistung
Rechtsgrundlage

Allgemeine Informationen

Grundsätzlich werden Aufwendungen, die steuermindernd geltend gemacht werden können, im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung nachträglich berücksichtigt. Bestimmte Aufwendungen, die im Kalenderjahr voraussichtlich entstehen werden, können aber auch vorweg als Freibetrag im Lohnsteuerabzugsverfahren berücksichtigt werden. Durch die Bildung eines Freibetrags bei den ELStAM (Elektronische LohnSteuerAbzugsMerkmale) ermäßigt sich die Lohnsteuer, die der Arbeitgeber von Ihrem Arbeitslohn einbehalten muss. 

Hinweis zu den ELStAM:
Die für das Lohnsteuerabzugsverfahren maßgebenden Merkmale, wie Steuerklasse, ggf. Faktor, Zahl der Kinderfreibeträge, andere Freibeträge, aber auch das Kirchensteuermerkmal werden von der Finanzverwaltung für alle Arbeitnehmer in einer zentralen Datenbank gespeichert. Die Finanzverwaltung stellt auf Basis dieser Daten die Lohnsteuerabzugsmerkmale den Arbeitgebern zum elektronischen Abruf bereit. Weitere Informationen hierzu finden Sie unter www.elster.de.

Freibeträge können Sie beim Finanzamt beantragen, wenn Sie bestimmte Aufwendungen haben oder Ihnen Pauschbeträge zustehen. Ein Freibetrag wird jedoch nicht in allen Fällen gebildet, in denen steuerlich zu berücksichtigende Aufwendungen vorliegen.

Freibeträge können beispielsweise möglich sein bei:

Werbungskosten aus der Arbeitnehmertätigkeit, soweit sie den Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1.000 Euro übersteigen

Werbungskosten sind beispielsweise Aufwendungen für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte (Entfernungspauschale), für Fachliteratur, Arbeitsmittel oder beruflich veranlasste Auswärtstätigkeiten (soweit diese nicht bereits vom Arbeitgeber steuerfrei ersetzt werden).

Sonderausgaben, soweit sie den Sonderausgaben-Pauschbetrag von 36 Euro bei Ledigen und 72 Euro bei Verheirateten übersteigen

Sonderausgaben sind beispielsweise Unterhaltsleistungen an den geschiedenen oder dauernd getrennt lebenden Ehegatten/Lebenspartner, gezahlte Kirchensteuer, Aufwendungen für die eigene erstmalige Berufsausbildung oder ein Erststudium bis zu 6.000 Euro im Kalenderjahr oder auch Kinderbetreuungskosten.

Außergewöhnliche Belastungen
Dies sind beispielsweise der Freibetrag für den Sonderbedarf eines Kindes in Berufsausbildung, Unterstützungsleistungen an bedürftige Angehörige oder der Pauschbetrag für behinderte Menschen.

Sonstige Freibeträge
Beispielsweise negative Einkünfte aus gewerblicher, freiberuflicher oder landwirtschaftlicher Tätigkeit oder Verluste aus einem vermieteten Objekt. Eine Eintragung wird erstmalig ab dem Kalenderjahr vorgenommen, das dem Jahr der Anschaffung oder Fertigstellung des vermieteten Objekts folgt.

Ein Kinderfreibetrag und der Freibetrag für Betreuungs- und Erziehungs- oder Ausbildungsbedarf können in Ausnahmefällen als Freibeträge berücksichtigt werden.

Hinweis:
Wer für das Jahr 2018 einen Freibetrag bei den ELStAM bilden lässt, ist verpflichtet, nach Ablauf des Kalenderjahres unaufgefordert eine Einkommensteuererklärung abzugeben, wenn die Arbeitslohngrenzen von 11.400 Euro bei der Einzelveranlagung oder von 21.650 Euro bei der Zusammenveranlagung überschritten werden. Ausgenommen hiervon sind die Fälle, in denen lediglich der Pauschbetrag für behinderte Menschen, der Pauschbetrag für Hinterbliebene oder der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende in Sonderfällen als ELStAM gebildet oder die Zahl der Kinderfreibeträge geändert worden ist.

Weitere Informationen hierzu finden Sie auch auf den Internetseiten des Ministeriums für Finanzen Baden-Württemberg in der Reihe "Aktuelle Tipps" ("Steuerklassen") und der "Lohnsteuerfibel 2018").

Zuständige Stelle

Das Finanzamt, in dessen Bezirk Sie wohnen.

Voraussetzung

Ein Freibetrag für erhöhte Werbungskosten, erhöhte Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen kann nur dann gebildet werden, wenn die Aufwendungen bzw. die abziehbaren Beträge insgesamt eine Antragsgrenze von 600 Euro überschreiten.
Bei der Berechnung der Antragsgrenze zählen Werbungskosten grundsätzlich nur mit, soweit sie den Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1.000 Euro übersteigen. Pauschbeträge für behinderte Menschen und Hinterbliebene können unabhängig von der Höhe eingetragen werden.

Hinweis:
Die Gemeinden haben im Kalenderjahr 2011 der Finanzverwaltung die bei ihnen gespeicherten Pauschbeträge für behinderte Menschen und Hinterbliebene mit dem jeweiligen Gültigkeitsdatum einmalig elektronisch übermittelt. Diese Daten fließen in die ELStAM ein. Die Ihnen zustehenden Pauschbeträge, die bereits über das Jahr 2018 hinaus gewährt wurden, behalten daher weiterhin ihre Gültigkeit und müssen nicht erneut beantragt werden.

Verfahrensablauf

Sie stellen einen Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung. Antragsvordrucke erhalten Sie beim Finanzamt oder im Internet. Den Antrag können Sie persönlich oder schriftlich per Post stellen. Bei erstmaliger Beantragung eines Freibetrags für das Kalenderjahr 2018 oder bei Erhöhung des für das Kalenderjahr 2017 gültigen Freibetrags ist der amtliche Vordruck „Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung 2018“ (Hauptvordruck und verschiedene Anlagen) zu verwenden. Wer 2018 höchstens den Freibetrag beantragt, der für das Kalenderjahr 2017 ermittelt wurde, oder nur die Änderung der Zahl der Kinderfreibeträge und ggf. der Steuerklasse I in Steuerklasse II beantragt, braucht nur den amtlichen Vordruck „Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung 2018“ (Hauptvordruck) auszufüllen.


Bei einer persönlichen Abgabe des Antrags für das Jahr 2018 wird der Freibetrag in der Regel gleich bei den ELStAM eingegeben. Der Arbeitgeber kaann den Freibetrag mit der nächsten Änderungsliste im Folgemonat abrufen.


Erforderliche Unterlagen

Je nach Antragsgrund kann es erforderlich sein, dem Antrag weitere Unterlagen bzw. gesonderte Erläuterungen beizufügen.

Frist/Dauer

Die Frist für die Antragstellung beginnt am 1. Oktober des Vorjahres, für das der Freibetrag gelten soll. Sie endet am 30. November des Kalenderjahres, in dem der Freibetrag gilt. Das bedeutet, dass der Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung für das Kalenderjahr 2018 noch bis zum 30. November 2018 gestellt werden kann. Die Antragsfrist auf Lohnsteuer-Ermäßigung für 2018 beginnt am 01. Oktober 2017 und endet am 30. November 2018.

Hinweis: Für die Jahre ab 2016 können Sie einen Freibetrag für zwei Kalenderjahre beantragen. 

Kosten/Leistung

Es entstehen keine besonderen Verfahrenskosten.

Rechtsgrundlage

§ 9a Einkommensteuergesetz (EStG) - Pauschbeträge für Werbungskosten
§ 10 Einkommensteuergesetz (EStG) - Sonderausgaben
§ 33 Einkommensteuergesetz (EStG) - Außergewöhnliche Belastungen
§ 39 Einkommensteuergesetz (EStG) – Lohnsteuerabzugsmerkmale
§ 39a Einkommensteuergesetz (EStG) - Freibeträge

Hinweis: Sie können das gesamte Einkommensteuergesetz hier aufrufen. Bitte beachten Sie dazu die vom Bundesministerium der Justiz zur Nutzung dieses kostenlosen Dienstes veröffentlichten Erläuterungen.

 

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