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Welche Steuerklassen gibt es und wann ändern sie sich? [31013]

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Allgemeine Informationen
Zuständige Stelle
Voraussetzung
Verfahrensablauf
Erforderliche Unterlagen
Frist/Dauer
Kosten
Sonstiges
Rechtsgrundlage

Allgemeine Informationen

Arbeitnehmer werden grundsätzlich in Steuerklassen eingestuft. Diese Einstufung richtet sich beispielsweise nach folgenden Kriterien:

Steuerklasse I gilt für ledige und geschiedene Arbeitnehmer, für Arbeitnehmer nach Auflösung einer Lebenspartnerschaft sowie für verheiratete/verpartnerte Arbeitnehmer, deren Ehegatte/Lebenspartner im Ausland wohnt oder die von ihrem Ehegatten/Lebenspartner dauernd getrennt leben. Verwitwete Arbeitnehmer gehören ab dem Kalenderjahr 2018 ebenfalls in die Steuerklasse I, wenn der Ehegatte/Lebenspartner vor dem 01. Januar 2017 verstorben ist. Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen, die beschränkt einkommensteuerpflichtig sind, erhalten ebenfalls die Steuerklasse I.

Steuerklasse II gilt für die unter Steuerklasse I genannten Arbeitnehmer, wenn ihnen der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende mit einem Kind zusteht. Voraussetzung für die Gewährung des Entlastungsbetrags für Alleinerziehende ist, dass der Arbeitnehmer alleinstehend ist und zu seinem Haushalt mindestens ein Kind gehört, für das ihm ein Freibetrag für Kinder oder Kindergeld zusteht und das bei ihm mit Haupt- oder Nebenwohnung gemeldet ist. Weitere Informationen erhalten Sie auch unter der Frage: Unter welchen Voraussetzungen bekomme ich die Steuerklasse II bzw. den Entlastungsbetrag für Alleinerziehende? [31005]

Steuerklasse III gilt auf Antrag für verheiratete/verpartnerte Arbeitnehmer, wenn beide Ehegatten/Lebenspartner im Inland wohnen, nicht dauernd getrennt leben und der Ehegatte/Lebenspartner des Arbeitnehmers keinen Arbeitslohn bezieht oder Arbeitslohn bezieht und in die Steuerklasse V eingereiht wird. Verwitwete Arbeitnehmer gehören für das Kalenderjahr 2018 nur dann in Steuerklasse III, wenn der Ehegatte/Lebensparter nach dem 31. Dezember 2016 verstorben ist, beide Ehegatten/Lebensparter an dessen Todestag im Inland gewohnt und nicht dauernd getrennt gelebt haben.
Hinweis bei Heirat:
In den Fällen einer Eheschließung wird Ihnen und Ihrem Ehegatten im neuen elektronischen Verfahren der ELStAM (Elektronische LohnSteuerAbzugsMerkmale)zunächst automatisch die Steuerklasse IV zugeteilt. Folglich erhalten Sie auch dann die Steuerklasse IV (und nicht III), wenn Ihr Ehegatte in keinem Beschäftigungsverhältnis steht. Soll bei Ihnen die Steuerklasse III berücksichtigt werden, müssen Sie dies auf dem amtlichen Vordruck   Antrag auf Steuerklassenwechsel bei Ehegatten/Lebenspartner beim für Sie zuständigen Wohnsitzfinanzamt beantragen.

Steuerklasse IV gilt für verheiratete/verpartnerte Arbeitnehmer, wenn beide Ehegatten/Lebenspartner Arbeitslohn beziehen, im Inland wohnen und nicht dauernd getrennt leben. Lesen Sie hierzu auch die Ausführungen zum Faktorverfahren.

Steuerklasse V tritt für einen der Ehegatten/Lebensparnter an die Stelle der Steuerklasse IV, wenn der andere Ehegatte/Lebenspartner auf Antrag beider Ehegatten/Lebenspartner in die Steuerklasse III eingereiht wird. Ab 2018 ist nunmehr ein Wechsel der Steuerklassenkombination III/V in IV/IV auch auf Antrag nur eines Ehegatten/Lebenspartners möglich, so dass beide in die Steuerklasse IV/IV eingereiht wird.

Steuerklasse VI gilt bei Arbeitnehmern, die nebeneinander von mehreren Arbeitgebern Arbeitslohn beziehen, für die Einbehaltung der Lohnsteuer vom Arbeitslohn aus dem zweiten und weiteren Dienstverhältnis.


Steuerklassenwahl bei Ehegatten/Lebenspartnern:

Beziehen beide Eheleute/Lebenspartner Arbeitslohn, können sie beim Lohnsteuerabzug zwischen zwei Steuerklassenkombinationen und dem Faktorverfahren wählen. Grund dafür ist, dass Ehegatten/Lebenspartner zwar grundsätzlich gemeinsam besteuert werden, beim Lohnsteuerabzug eines Arbeitnehmers aber nur dessen eigener Arbeitslohn zugrunde gelegt werden kann. Erst wenn die Arbeitslöhne beider Ehegatten/Lebenspartner nach Ablauf des Jahres bei der Abgabe einer Einkommensteuererklärung zusammengeführt werden, ergibt sich die zutreffende Jahressteuer. Es lässt sich deshalb nicht vermeiden, dass im Laufe des Kalenderjahres zu viel oder zu wenig Lohnsteuer einbehalten wird. Mit der richtigen Steuerklassenkombination bzw. dem Faktorverfahren kann man dem Jahresergebnis allerdings möglichst nahe kommen.

Die Steuerklassenkombination IV/IV (gesetzlicher Regelfall) geht davon aus, dass die Ehegatten/Lebenspartner gleich viel verdienen. Die Steuerklassenkombination III/V ist so gestaltet, dass die Summe der Steuerabzugsbeträge für beide Ehegatten/Lebenspartner in etwa der gemeinsamen Jahressteuer entspricht, wenn der Ehegatte/Lebenspartner mit Steuerklasse III 60 % und der Ehegatte/Lebenspartner mit Steuerklasse V 40 % des gemeinsamen Arbeitseinkommens erzielt.

Schließlich können Ehegatten/Lebenspartner auch das Faktorverfahren wählen. Durch die Steuerklassenkombination IV/IV in Verbindung mit einem vom Finanzamt zu berechnenden als ELStAM zu bildenden Faktor von 0,… (immer kleiner 1) wird Folgendes erreicht:
Bei jedem Ehegatten/Lebenspartner wird der ihm zustehende Grundfreibetrag beim Lohnsteuerabzug berücksichtigt, zugleich wird mittels des Faktors die einzubehaltende Lohnsteuer entsprechend der Wirkung des Splittingverfahrens gemindert. Der Faktor ist ein steuermindernder Multiplikator, der sich bei unterschiedlich hohen Arbeitslöhnen der Ehegatten aus der Wirkung des Splittingverfahrens in der Veranlagung errechnet. Die Berücksichtigung eines Faktors ist jährlich neu zu beantragen.

Hinweis:
Bei der Wahl der Steuerklassen müssen Ehegatten/Lebenspartner bedenken, dass diese auch die Höhe von Entgelt-/Lohnersatzleistungen wie beispielsweise Arbeitslosengeld I, Arbeitslosengeld beiberuflicher Weiterbildung, Krankengeld, Versorgungskrankengeld, Verletztengeld, Übergangsgeld, Mutterschaftsgeld und Elterngeld oder die Höhe des Lohnanspruchs bei der Altersteilzeit beeinflussen kann. Wechseln Ehegatten/Lebenspartner im Laufe des Kalenderjahres die Steuerklassen oder wählen sie das Faktorverfahren, können sich bei der Zahlung von Entgelt-/ Lohnersatzleistungen, z. B. wegen Arbeitslosigkeit eines Ehegatten/Lebenspartners, oder der Höhe des Lohnanspruchs bei Altersteilzeit unerwartete Auswirkungen ergeben. Ist damit zu rechnen, dass in absehbarer Zeit Entgelt-/ Lohnersatzleistungen in Anspruch genommen werden müssen, oder solche bereits bezogen werden bzw. wird die Altersteilzeit begonnen, sollte daher vor der Neuwahl der Steuerklassenkombination zu deren Auswirkung auf die Höhe der Entgelt-/ Lohnersatzleistungen der zuständige Sozialleistungsträger bzw. zur Höhe des Lohnanspruchs bei Altersteilzeit der Arbeitgeber befragt werden.

Ehegatten/Lebenspartner, die beide in einem Dienstverhältnis stehen, können im Laufe des Kalenderjahres grundsätzlich einmal, und zwar spätestens bis zum 30. November die Steuerklasse wechseln. Die Wahl des Faktorverfahrens gilt auch als Steuerklassenwechsel. Möchten Sie nach der Eheschließung im Jahr 2018 einen entsprechenden Antrag auf Berücksichtigung einer anderen Steuerklasse als der im neuen elektronischen Verfahren der ELStAM zunächst automatisch zugeteilten Steuerklasse IV stellen, geht dadurch Ihr Recht auf den jährlichen Wechsel der Steuerklassenkombination nicht verloren.

Gleiches gilt für den Fall, dass einer oder beide Ehegatten/Lebenspartner, ab dem Kalenderjahr 2018 ein Dienstverhältnis beginnt bzw. beginnen. Im elektronischen Verfahren ELStAM wird diesen Ehegatten/Lebenspartner jeweils für den Lohnsteuerabzug programmgesteuert die Steuerklasse IV zugewiesen. Soll von dieser programmgesteuerten Zuordnung abgewichen werden, ist für die Wahl der Steuerklassenkombination III/V oder IV/IV mit Faktor ein entsprechender Antrag beider Ehegatten beim Wohnsitzfinanzamt erforderlich (amtlicher Vordruck „Antrag auf Steuerklassenwechsel bei Ehegatten/Lebenspartner“). Auch hier geht das Recht der Ehegatten, die Steuerklasse einmal im Kalenderjahr zu wechseln, nicht verloren.
Ein weiterer Wechsel der Steuerklasse für dasselbe Kalenderjahr ist in einigen Ausnahmefällen möglich:

  • wenn ein Ehegatte verstorben ist oder keinen steuerpflichtigen Arbeitslohn mehr bezieht,
  • wenn sich die Ehegatten auf Dauer getrennt haben oder
  • wenn nach Arbeitslosigkeit wieder ein Arbeitsverhältnis besteht.

Zuständige Stelle

Das Finanzamt, in dessen Bezirk Sie wohnen.

Voraussetzung

Änderungsgründe wie oben beschrieben sind bei Ihnen eingetreten.

Verfahrensablauf

Sie müssen beim Finanzamt einen „Antrag auf Steuerklassenwechsel bei Ehegatten/Lebenspartnern" stellen. Antragsvordrucke erhalten Sie beim Finanzamt oder im Internet. In den Fällen, in denen beide Ehegatten von der Änderung betroffen sind, wie beispielsweise bei einer Heirat, müssen beide Ehegatten den Antrag gemeinsam stellen und unterschreiben, bei Wahl des Faktorverfahrens unter Angabe der voraussichtlichen Arbeitslöhne des Kalenderjahres 2018 oder auch in Verbindung mit einem Antrag auf Lohnsteuerermäßigung.
Bei persönlicher Vorsprache beim Finanzamt ist vom Arbeitnehmer immer ein Identitätsnachweis zu erbringen.

Ab 2018 ist nunmehr ein Wechsel der Steuerklassenkombination III/V in IV/IV auch auf Antrag nur eines Ehegatten/Lebenspartners möglich, so dass beide in die Steuerklasse IV/IV eingereiht wird.


Erforderliche Unterlagen

  • Identitätsnachweis (z. B. Personalausweis oder Reisepass)
  • Dokument, aus dem sich die Eheschließung oder Verpartnerung ergibt (z. B. beglaubigte Abschrift aus dem neuen Familienbuch oder beglaubigte Heiratsurkunde, Urkunde über eingetragene Lebenspartnerschaft)
  • Antrag auf Steuerklassenwechsel bei Ehegatten/lebenspartnern


Frist/Dauer

Der Steuerklassenwechsel kann nur mit Wirkung vom Beginn des auf die Antragstellung folgenden Monats vorgenommen werden. Die als ELStAM gespeicherte Steuerklasse können Sie bei Ihrem Finanzamt im Laufe des Kalenderjahres 2018 einmal, und zwar spätestens bis zum 30. November 2018, ändern lassen.

Kosten

Es entstehen keine Gebühren oder sonstige Kosten.

Hinweis zur Zuständigkeit

Die für das Lohnsteuerabzugsverfahren maßgebenden Merkmale, wie Steuerklasse, ggf. Faktor, Zahl der Kinderfreibeträge, andere Freibeträge, aber auch das Kirchensteuermerkmal werden von der Finanzverwaltung für alle Arbeitnehmer in einer zentralen Datenbank gespeichert. Die Finanzverwaltung stellt auf Basis dieser Daten künftig die Lohnsteuerabzugsmerkmale den Arbeitgebern zum elektronischen Abruf bereit.

Grundsätzlich sind die Finanzämter Ansprechpartner, wenn es um die Änderung von Steuerklassen oder anderen Lohnsteuerabzugsmerkmalen geht.

Für die Verwaltung der Meldedaten, z. B. Familienstand, Heirat/Verpartnerung, Geburt, Kirchenein- oder -austritt, sind jedoch weiterhin die Gemeinden zuständig. Das bedeutet, dass die Finanzverwaltung die ELStAM nur richtig bilden kann, wenn Sie Ihrer gesetzlichen Meldepflicht nachkommen und die Gemeinden die betreffenden Daten an die Finanzverwaltung senden können.

Weitere Informationen zum Thema „ELStAM“ finden Sie unter  www.elster.de.
Auskünfte erteilt auch das Finanzamt, in dessen Bezirk Sie wohnen.

Sonstiges

Ausführliche Informationen zu den Steuerklassen und der Steuerklasseenwahl finden Sie auch auf den Internetseiten des Minsteriums für Finanzen Baden-Württemberg in der Reihe "Der aktuelle Tipp" ("Steuerklassenwahl für das Jahr 2018") und der Lohnsteuerfibel 2018 (Kleiner Ratgeber für Lohnsteuerzahler).


Rechtsgrundlage

§ 38b Einkommensteuergesetz (EStG) i.d.F des BeitrRLUmsG – Lohnsteuerklassen, Zahl der Kinderfreibeträge
§ 39 EStG i.d.F des BeitrRLUmsG – Lohnsteuerabzugsmerkmale
§ 39e EStG i.d.F des BeitrRLUmsG – Verfahren zur Bildung und Anwendung der elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale
§ 52b EStG i.d.F. des JStG 2010 bzw. JStG 2013 im Entwurf – Übergangsregelungen bis zur Anwendung der elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale

Hinweis:
Sie können das gesamte Einkommensteuergesetz hier aufrufen. Bitte beachten Sie dazu die vom Bundesministerium der Justiz zur Nutzung dieses kostenlosen Dienstes veröffentlichten Erläuterungen.

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